Du betrachtest gerade Warum Planung nicht kontrolliert – wie mir das Leben meinen rosa Lappen um die Ohren gehauen hat

Warum Planung nicht kontrolliert – wie mir das Leben meinen rosa Lappen um die Ohren gehauen hat

  • Beitrags-Autor:
  • Beitrags-Kategorie:Blog
  • Beitrags-Kommentare:0 Kommentare

Bei mir ist jede Reise durchgeplant, auf die Minute. Excel-Tabelle, farbcodiert, mit Pufferzeiten. Ich weiß, wann welches Kind müde wird, bevor das Kind es selbst weiß.

Wenn Planung eine olympische Disziplin wäre, ich hätte Gold. Und dann haut mir das Leben meinen rosa Lappen um die Ohren.

Akt 1: Der Anschlussflug

Wir reisen mit den zwei Kleinsten, eine ziemlich lange Strecke, mit Zwischenstopp. Ich hatte natürlich alles gut geplant. Und dann startet der erste Flug zu spät und der Anschluss war eh schon knapp kalkuliert. Dazu noch ein Flughafen, den wir nicht kennen. Bei mir gehen alle Alarmglocken an, das Adrenalin schießt hoch.

Wenn ich alleine reise, ist das kein Drama. Verpasster Flieger, dann nehme ich halt den nächsten. Aber mit Kindern steigt der Stresspegel. Je länger es dauert, desto müder und quengeliger werden sie.

Wir sind gerannt, quer durch den Flughafen, den wir nicht kannten. Das Boarding hatte schon begonnen. Wir haben es geschafft. Knapp, aber wir waren rechtzeitig da.

Am nächsten Tag ging es direkt weiter: Riesenschneesturm in Schweden. Bis eine Stunde vor Ankunft wusste ich nicht, ob wir noch mit dem Zug nach Hause kommen oder noch eine Nacht im nirgendwo verbringen müssen.

Mein Plan winkte mir noch einmal zu, bevor er im Schnee verschwand.

Akt 2: Der rosa Lappen

Auf der nächsten Reise wollte ich ein Auto mieten. Die Dame in der Autovermietung wirft einen Blick auf meinen alten, rosa Führerschein und sagt: Mit dem kriegen Sie von uns kein Auto.

Ich habe innerlich ein Klappmesser gemacht.

Kein Auto, ein Dorf mit einem Bus pro Tag und ich mittendrin mit meinem Gepäck und meiner geplatzten Planung.

Und dann?

Hat das Leben improvisiert, während ich zugeschaut habe.

Zug zum nächsten größeren Ort. Letzter Bus des Tages, gerade noch erwischt, wortwörtlich in letzter Sekunde. Kein Taxi, keine Autovermietung, kein Plan von mir hat das organisiert.

Das Leben hat das organisiert. Ich war nur die Person, die zufällig mitgefahren ist.

Die Erkenntnis, die mir fast peinlich ist

Hier ist, was mich am meisten nervt: Über die entscheidenden Dinge hatte ich in beiden Fällen keine Kontrolle.

Der Flieger kommt, wenn er kommt. Der Führerschein ist rosa oder er ist es nicht. Und trotzdem läuft mein Gehirn jedes Mal so, als könnte ich das mit genug Willenskraft und einem guten Zeitplan verhindern.

Kann ich nicht. Kannst du auch nicht.

„Wir kontrollieren gar nichts in unserem Leben. Wir haben nicht mal die nächste Minute unter Kontrolle.“

Das ist keine hübsche Lebensweisheit für ein Kalenderblatt. Das ist einfach die Rechnung, die aufgeht, sobald man sie mal ehrlich aufmacht.

Ein Anruf reicht und alles ist anders. Von einer Sekunde auf die andere.

Warum ich trotzdem nicht aufhöre zu planen

Jetzt könntest du sagen: Diana, dann lass doch das Planen komplett sein, wenn es eh nichts bringt.

Nein.

Planung gibt Struktur. Sie gibt meinen Kindern Wurzeln und einen Rahmen, an dem sie sich festhalten können. Das ist wertvoll.

Der Unterschied, um den es wirklich geht, ist ein anderer:

Planung baut ein Gerüst. Kontrolle versucht, die Zukunft festzunageln.

Das Gerüst hält. Das Festnageln bricht dir die Finger.

Je verkrampfter ich an einem Plan festhalte, wenn das Leben schon längst woanders hinwill, desto mehr Kraft kostet mich das. Oft ist es nicht nur die Situation selbst. Es ist der Widerstand dagegen, dass sie anders ist, als ich sie haben wollte.

Das Muster, das viel größer ist als ein Flughafen

Und jetzt wird’s unbequem, weil das hier nicht bei Reisen aufhört.

Kennst du den Job, der dich innerlich auffrisst, den du aber nicht kündigst, weil du wenigstens weißt, was dich morgen erwartet? Kennst du die Beziehung, die längst kein Zuhause mehr ist, aber immerhin ein bekanntes Elend?

„Das Elend, in dem ich lebe, das habe ich im Griff. Da weiß ich, was mich erwartet.“

Genau das habe ich schon oft von Menschen gehört, die eigentlich längst wissen, dass sich etwas ändern muss.

Vertrautheit fühlt sich wie Kontrolle an. Ist sie aber nicht. Es ist nur die bequemere Angst.

Bei mir haben sich Kontrollverlust und Angst früher als Panikattacken gezeigt. Mein System, mein Körper, der einfach dicht gemacht hat, sobald sich alles zu unsicher anfühlte.

Nicht, weil ich schwach war. Sondern weil ich versucht habe, etwas zu kontrollieren, das sich schlicht nicht kontrollieren lässt.

Was sich für mich geändert hat

Ich kontrolliere heute nicht, was passiert. Aber ich kann entscheiden, wie ich damit umgehe, wenn die Dinge nicht so laufen wie geplant.

Das ist der ganze Unterschied.

Ruhig bleiben. Nachdenken. Nach dem nächsten Schritt schauen statt nach dem verlorenen Plan.

Wenn du in ein Flugzeug steigst, hast du sowieso vieles nicht mehr in der Hand. Du gibst Verantwortung ab, unter anderem an den Piloten. Für manche ist genau das die größte Übung ihres Lebens.

Warum ich dir das erzähle?

Weil ich glaube, dass die meisten von uns viel zu viel Energie darauf verschwenden, Dinge festzuhalten, die sich sowieso nicht festhalten lassen. Und viel zu wenig darauf, herauszufinden, wie wir damit umgehen, wenn das Leben improvisiert.

Genau darüber schreibe ich. Ehrlich, ungeschönt und ziemlich oft auf meine eigenen Kosten.

Und wenn dein Plan das nächste Mal den Klappstuhl macht, habe ich etwas für dich:

Schreibe einen Kommentar